Contact us
Leave a message

Übrigens: Wir sind Dinosaurier des Cottbuser Satire-Festivals Ei(n)fälle!

Bilder einer Ausstellung - das 13. Programm

Presseankündigung zur Premiere am 04.04.1997, 21:00 Uhr, in der Schwulen Sau, Hannover:

STÖRFALL [hannöv.] m. 1 ugs.: inoffiz. Bez. f. Unfall o. sicherheitsrelevante Betriebsstörung in kerntechnischen Anlagen; 2 Im Streiksemester 1988 an der Theodor-Lessing-Universität Hannover gegründetes Studierendenkabarett mit politisch-gesellschaftlicher Beissrichtung.

Nach dem gewöhnlich großen, aber erwarteten Erfolg des letzten Programms "Theater von Hinten", präsentiert STÖRFALL jetzt sein neuestes Werk "Bilder einer Einstellung" für 7 Pfeifen und einen Bilderrahmen in Biss-pur op. 13. In Zeiten progressiver inhaltlicher Verflachung der Print- und Zapp-Medien schließt sich auch STÖRFALL dem allgemeinen Trend an und präsentiert erstmals ein reines Rahmen-Programm. Leitmotivartig ziehen sich Bilder, die aus dem Rahmen fallen, durch die Bühnenshow. Abbilder einer Gesellschaft, in der Ausbildung nur noch virtuellen, also einge-bild-eten Wert aufzuweisen droht. Auch Bildung im klassisch-bourgeoisen Verständnis tendiert dazu, vor allem durch ihr Fehlen aufzufallen, also quasi als Bild-ungslücke. Daher scheut STÖRFALL nicht vor oberlehrerhaften Methoden zurück, um neue Erklärungen für alte Schinken plastisch darzustellen; so präsentiert die Truppe eigene Forschungsergebnisse, nach denen der erste Welternährungsgipfel bereits kurz vor Christi Tod in Jerusalem stattfand, dokumentiert und als "Abendmahl" verfälscht von Leonardo da Vinci. Auch die Tatsache, daß der Messias selbst eine eher unerwartet unbedeutende Rolle bei diesem Szenario spielte, wird hier erstmals dem staunenden Laienpublikum eröffnet.

Auch jüngere Entwicklungen finden Eingang in das Rahmenrepertoir der Laienspielgruppe. So wird das Kunstlied der späten 60er und der 70er Jahre (der sog. Epoche des "Späten Woolworth") ins Bild gesetzt. Desweiteren ist es STÖRFALL gelungen, aus einer Bernsteinkette, erworben im Souvenirshops des Frankfurter Zoos (ebenfalls Spätes Woolworth), einen weißhaarigen Mann mit blaßgelbem Pollunder mit V-Ausschnitt nachzuklonen, wenn auch nicht als Fernsehbild.

STÖRFALL gibt selbst denen eine Stimme, die sonst auch nichts zu melden haben. So kommt es zu einem Gastspiel kinder-, tier- und bazillenlieber Politiker-(Ex-)Gattinen, in dem die Schmierereien kleiner Künstler einem guten Zweck zugeführt werden; das Gegenteil von "gut" ist ja bekanntlich "gut gemeint". Dementsprechend berührt die geschmacklose Einfärbung ihrer Pelze nicht wirklich die primären Interessen von Nerzen. Auch ist fraglich, ob sich linksdrehende Joghurtkulturen angesichts ihres Intelligenz­quotienten ihr Sklavendasein vielleicht doch nur einbilden.

Doch werden nicht nur vorhandene Kunstgegenstände kreativ interpretiert; nein, als Exponent des kunstorientierten Programms wird STÖRFALL noch einen Schritt weiter gehen und den "Securismus" als die neue, schon ganz auf die Jahrtausendwende - man denke nur an die EXPO 2000! - ausgerichtete künstlerische Ausdrucksform der späten 90er präsentieren, manifestiert in den alljährlichen Sommerfestspielen der "Punk"- und "Bullen"-Bewegung.

Man darf also gespannt sein - außer den angedeuteten Knüllern erwartet den/die ZuschauerIn ein bunter Strauß funkelnder Facetten der üblichen aktuellen Themen - es geht also wieder mal um Schwule, Neger, Behinderte, Frauen, Besitzer von 386ern, Arbeitsplätze und andere Minderheiten. Liebhaber der E-Musik dürfen sich auf die nervtötende Wiederkehr des einzigen wirklichen Hits von Modest Petrowitsch Moussorgsky vorbereiten. (Anm.: Auch wenn die Orchestrierung von Maurice Ravel, dem Tracy Chapman der E-Musik, stammt, ist nicht mit dem Erscheinen des erbarmungslosen Boleros zu rechnen.) Der Verzehr von Speisen und Getränken während der Vorstellung ist ausdrücklich egal.