Wie es dazu kam
Streiksemester 1988/89 an der Uni Hannover. Hochmotivierte junge Menschen gründen
ein Kabarett und bringen die aktuellen Themen auf die Bühne. Der gutgemeinte
Versuch wird von den ausgelassenen Studierenden der damaligen Zeit so sehr bejubelt,
daß sich ein riesiges Ensemble seitdem jährlich mit ein bis zwei
Kabarettprogrammem auf die Bretter quetscht. Mit steigenden technischen Kenntnissen
und richtig auswendig gelernten Texten. Seit vier Jahren ist die Besetzung des
inzwischen nur noch siebenköpfigen Ensembles weitgehend unverändert
und paßt so auch viel besser auf herkömmliche Kleinstkunstbühnen.
Sowohl die DozentInnenschaft als auch die heimeligen Sphären der studentischen
Kultur sind inzwischen für ein Leben in Arbeit oder Brotlosigkeit verlassen
worden. Störfall heute kann singen und tut es auch.
Nebenher liebt es tolle Kostüme und liebevoll ausgefeilte Choreographien
- es ist also auch etwas fürs Auge. Zumal alle DarstellerInnen ausgesprochen
hübsch sind.

Was Störfall macht
Neben Tanzen und Singen, neben Schminken und Verkleiden, neben Umbauen und Gestalten
werden die selbstgeschriebenen und mühsam gelernten Texte dem Publikum
vorgetragen. Dies zusammen mit einem bunten Strauß der schönsten
Plots von und mit den beliebtesten Stars aus Funk, Fernsehen und Reichstagskuppel.
Natürlich alles inhaltsschwanger und dialektisch, denn Störfall nimmt
sich aller Themen an. Es geht daher vor allem und immer mal wieder um Neger,
Schwule Behinderte, Besitzern von 486ern, Frauen und andere Minderheiten.

Was Störfall will
Außer das Kabarett vor dem Aussterben zu bewahren und die Menschheit zu
retten, möchte Störfall vor allem auf das unattraktive Elend heutiger
Comedystars aufmerksam machen. Diesen Menschen muß geholfen werden. Auch
ist es Störfall wichtig immer wieder den Finger auf die offenen Wunden
dieser Gesellschaft zu legen, das wirkliche Leiden ins Bewußtsein des
Publikums zu rücken. Seien wir doch mal ehrlich: wer setzt sich denn heute
wirklich noch mit den Problemen eines Staatssekretärs auseinander, oder
kennt die unerfüllbaren Schönheitsträume einer Parteiführerin
oder weiß gar um die Entsagungen eines Mannes der doch eigentlich lieber
ein Filmstar wie Reagan gewesen wäre.

Außerdem will Störfall mehr Sex auf der Bühne. So als Allgemeinkritik.

Wo Störfall war
(Auswahl)
Hannover: Uni, Pavillon, ExpoCafé, Theater am Küchengarten, Marlene,
Schwule Sau, Bürgerschule, Radio Flora
Braunschweig: Universität
Cottbus: Ei(n)fälle - Kabaretttreffen der Studiosi, Cafe Muggefug
Göttingen: musa in der Brotfabrik
Siegen: Universität, Kulturfest
Dresden: Studentenwerk
Hameln: BUND
München: Studentenwerk
Clausthal: Universität
Lingen: ÖTV
Leer: Kulturzentrum
Garbsen: Horster Harlekin
Mai 1997-Februar 1998: Mitwirkung an der Theaterproduktion Suhlde 2000
- Mensch, Natur, Käse der Neuen Helanka: [Auftritte: Schwule Sau,
Pavillon, IGS Linden (Hannover), Sumpfblume (Hameln)]
Januar 1999 Tournee "Ei(n)fälle" in Senftenberg, Dresden, Jena,
Leipzig